Spitzen aus dem Stadtparlament – Niemand hat die Absicht…

Thorsten Klees

Der geplante Umbau der Hugenottenhalle und die Suche nach einer Übergangsspielstätte während der Bauzeit standen im Mittelpunkt der letzten Stadtverordnetenversammlung.

Zu Beginn der Debatte blickte Bürgermeister Hagelstein auf die jahrelangen Diskussionen über die „HuHa“ und die Idee eines sogenannten Dritten Ortes zurück.

Doch was ist ein Dritter Ort?

Gemeint ist damit ein Treffpunkt neben dem eigenen Zuhause (erster Ort) und dem Arbeitsplatz (zweiter Ort). So ein Dritter Ort soll nun auch in Neu-Isenburg entstehen.

Wie dieser genau aussehen soll, darüber gebe es unter den 45 Stadtverordneten vermutlich 45 verschiedene Vorstellungen, mutmaßte Hagelstein.

Fest steht jedenfalls: Für die große HuHa-Umbauvariante, die als Siegerentwurf aus einem großen Architektenwettbewerb hervorging, fehlt schlichtweg das Geld. Sie hätte die Fläche der Hugenottenhalle von rund 10.000 auf knapp 15.000 Quadratmeter vergrößert.

Schließlich sollten ursprünglich auch die Musikschule und die Volkshochschule in das neu entstehende Kultur- und Bildungszentrum einziehen. Beide Institutionen nutzen mittlerweile allerdings gemeinsam mit dem VdK die Räumlichkeiten des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Albert-Schweitzer-Schule und der gegenüberliegenden Freizeitvilla am Wilhelmsplatz. Für manche ist dort bereits ein kleiner „Dritter Ort“ entstanden.

Große Pläne, angespannte Finanzen

Mehrere Stadtverordnete verschiedener Fraktionen gingen in ihren Redebeiträgen auf die schwierige Finanzlage der Stadt ein. So sieht der Haushaltsplan für 2026 ein Defizit von 28 Millionen Euro vor. Die Kommunalaufsicht hat die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt bereits als gefährdet eingestuft.

Vor diesem Hintergrund soll nun eine abgespeckten Variante ohne zusätzliche Flächen weiterverfolgt werden. Neben geringeren Kosten hofft der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Joachim Großpersky auch auf eine kürzere Bauzeit.

Das alles konnte Oliver Hatzfeld von der Y-Fraktion nicht überzeugen. Er bezweifelte die höher angesetzten Kosten an und warf den Rednern anderer Fraktionen vor, sich in Politiker-Phrasen zu verlieren. Er fühle sich an den berühmten Ausspruch erinnert: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“. Außer bei den Linken rief dieser Vergleich große Empörung hervor.

Nach dieser kurzzeitigen Aufregung folgte die große Mehrheit der Stadtverordneten dem Vorschlag des Magistrats: Die geplante Erweiterung der Hugenottenhalle soll nicht weiterverfolgt werden. Stattdessen soll eine wirtschaftlich tragfähige Lösung ohne Flächenmehrung entwickelt werden.

Wo findet während des Umbaus Kultur statt?

Danach ging es um die Frage, in welchem Gebäude während der Bauzeit in Neu-Isenburg kulturelle Veranstaltungen stattfinden können. Die ursprünglich angedachte Idee, eine große Leichtbauhalle im Sportpark zu errichten, erwies sich als sehr kostspielig.

Nun soll stattdessen eine ehemalige Farbenfabrik in der Dornhofstraße im Gewerbegebiet Süd umgebaut werden. Bei Reihenbestuhlung würden dort etwa 400 Personen Platz finden. Damit könnte ein Großteil der bisherigen HuHa-Veranstaltungen während der Umbauphase dort stattfinden. Mit dem angrenzenden Lokal Thong Thai sei zudem für ein gastronomisches Angebot gesorgt.

Auch dieser Plan stieß bei der Y-Fraktion und den Linken auf Skepsis, da die Räumlichkeiten für größere Veranstaltungen nicht ausreichend seien. Dies veranlasste den FDP-Stadtverordneten Philip Sänger zu einer spontanen ‘Ruck-Rede‘: „Viele sagen, die Politik sei zu langsam und es würde nicht vorangehen“. Er appellierte an die Stadtverordneten: „Entscheiden wir heute und setzen wir das Machbare um. Wir können leider keine Festhalle auf den Sportplatz bauen“.

Sein Appell zeigte Wirkung. Alle Fraktionen außer den Linken stimmten dafür, die Option mit der Gewerbehalle weiter zu verfolgen.

Ein erstaunlich breiter Konsens

Denkt man an die teils hitzigen Diskussionen im Kommunalwahlkampf zurück, wirkt es fast schon erstaunlich, mit welch großen Mehrheiten die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat in seinem Vorhaben unterstützt, in finanziell schwierigen Zeiten das kulturelle Leben in Neu-Isenburg weiter zu fördern.

Die Botschaft lautet daher: Ja zu neuen Ideen für eine Übergangsspielstätte – und ja zur Modernisierung der Hugenottenhalle. Aber auch frei nach Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht, einen Kulturpalast zu bauen“.  

 

Thorsten Klees (CDU) ist ehrenamtlicher Stadtrat und schreibt hier über seine subjektiven Eindrücke aus der Stadtverordnetenversammlung

Ich möchte gerne über neue Beiträge informiert werden.

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